Totgesagte leben länger

Wir verbrauchen Pappas Familienkutsche Teil 2
-> Vorgeschichte

Nachdem mein Käfer den TÜV nicht mehr gepackt hat stand brauchte ich wieder einen fahrbaren Untersatz. Zwar ist die Angebotslage auf dem Verbrauchtwagenmarkt schon immer sehr gut gewesen, doch wieso Standplatzmiete für meinen Pappsatt zahlen und ihn vor sich hingammeln lassen. Die Lackierung war zwar noch nicht abgeschlossen und der Vergaser nicht wirklich repariert - irgendwie gefahren ist er aber doch.

Aus mehreren Schildern zusammengesetzt
Also rote Kennzeichen besorgt und von der Garage in der fernen Heimat zum Studienort Mainz geholt. So, wie er war, ging es zum TÜV. Es mußte ein neuer Brief her, weil der Wagen schon so lange abgemeldet war - im Amtsdeutsch heißt das 21. Erwartungsgemäß schaffte der Passat diese Hürde nicht. Auch die ASU stellte mit dem ruinierten Vergaser ein Problem dar. Mit der TÜV-Mängelliste ging es zu einer freien Werkstatt - ein paar Bleche einschweißen, ASU hinmogeln, ein Bremsschlauch und der hintere Auspuftopf - das war es dann auch schon - zumindest nach der Liste des Prüfers.
In der guten Gewißheit, alles nötige getan zu haben, ging es wieder zum TÜV. Leider war es diesmal ein anderer Prüfer. Er kontrollierte flüchtig die behobenen Mängel - ein Blick zur Vorderachse und: "Da ist die Spurstange ausgeschlagen." Ich hatte bereits am Abend das Auto fest eingeplant und nun das. Ich fluchte ein wenig, der Prüfer meinte ganz trocken: "Vielleicht finden Sie eine Werkstatt, die Ihnen das heute Vormittag noch richtet." Es war etwa 10 Uhr - um 12 machte die Zulassungsstelle zu.

Liebe Polizisten, falls Sie das jetzt lesen - es gehört nur zur Dramaturgie dieses Berichtes, wenn ich jetzt schreibe, daß ich mit Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h Grenze durch Mainz von VW-Werkstadt zu VW Werkstadt gefahren bin um einen Retter in der Not zu finden. Und den fandich tatsächlich.

11.30 Uhr stand ich wieder beim TÜV. Eine Riesenschlange vor der Grube. Aussteigen, vorrennen, Prüfer impfen, Schlange umfahren. Es geht, wenn man will. Prüfer gibt sein o.k. und dann die netten Damen im Büro des TÜV. Sie mußten mir noch ein Papier ausstellen, da ich ja einen neuen Brief benötigte. Drei Frauen diskutieren, wie man den ungeregelten KAT einträgt. Fingernägel hatte ich schon keine mehr - ich überlegte mir die Fußnägel abzuknabbern.
Ich muß bei der Farbwahl besoffen gewesen sein.
11.55 Uhr - wirklich auf den letzten Drücker - die Zulassungsstelle liegt glücklicherweise neben dem TÜV in Mainz, ich komme noch dran. Hallelulja! Mein erstes mainzer 907 auf die letzte Minute. Solche Vormittage verringern die Lebenserwartung eines durchschnittlichen Mitteleuropäers gewaltig.

Ich hatte wieder einen fahrbaren Untersatz - zwar in einer augenbeleidigenden Farbe und dem kräftigen Benzindurst von über 20 Liter, aber ich kam von A nach B. Den Vergaser habe ich dann gegen ein Gebrauchtteil getauscht und ab diesem Zeitpunkt war der Benzindurst wieder erträglich, der Papsatt wieder zum Kilometerfresser. Der Name Pappsatt enstand eigentlich eher zufällig. Ich hatte ein paar Bezeichnungsschilder von Schrott-Passats gesammelt und wollte daraus irgendetwas witziges bauen. Daß dabei Pappsatt herauskam war eine reine Promillefrage.


Hab mein Wagen vollgeladen...
Mit Freunden zusammen bauten wir in Mainz einmal ein neues Balkongeländer. Das Holz dazu bestellten wir bei einem Fachhändler, die Transportkosten vor die Haustür wollten wir uns sparen. Also mit dem Pappsatt hin zum Händler und da lag er nun da: Der Handlauf mit 5,8m Länge. Der Papsatt ist aber eben ein Transportgenie.
Wie auf dem Foto schön zu sehen, er hat reingepaßt - hinten waren noch ca. 10 cm zum Asphalt und vorne, naja, soviel stand das nun auch nicht über. Mich wundert es bis heute, daß es so schwierig ist, für einen Passat die Zulassung zum LKW zu bekommen.

Etwa ein Jahr hielt das Glück mit dem Pappsatt an. Dann traten leichte Mängel auf, die nach einer Reparatur oder einem Fahrzeugwechsel schrien. Da war z.B. dieser Ölfleck unter dem Auto - nicht daß der Motor Öl verlor - es war der eine vordere Stoßdämpfer der ohne jegliche Funktion ohne seinen Inhalt war. Eine kleine Bodenwelle und der Wagen ging auf einer Seite bis zum Anschlg in die Knie. Zugegeben, es war echt spaßig, angeblich aber auch gefährlich. Ich habe ihn bei einem Kilometerstand von 199.989km an einen Käferschrauber als Winterauto verkauft - mit einem Jahr TÜV für 300,-DM. Angeblich fährt er noch heute - immer mal wieder berichten mir Bekannte, sie hätten ihn fahren sehen - stets zur Winterzeit. Wenn Sie ihn sehen sollten, dann streicheln Sie ihm doch einmal in meinem Namen über die Motorhaube und sagen sie ihm, ich hätte ihn nicht vergessen...